Donnerstag, 6. März 2014

Herr Allam (#269)


Herr Allam saß bei etwas milderem Wetter auf einer Bank an der Stuttgarter Königsstraße und wirkte etwas unnahbar. Als ich ihn ansprach, war er zunächst skeptisch und fragte sich, warum jemand wohl einen alten Mann mit Narben photographieren wollte.

Er taute dann aber rasch auf und entpuppte sich als sehr freundlicher und offener Mann mit einem besonderen Humor. Als er dem Photo zustimmte, drohte er mir einige Male scherzhaft: Wehe, das ist für einen Porno!

Wir hatten uns schon eine Weile unterhalten, als er seine Pfeife zückte. Ich war begeistert und wollte ihn unbedingt damit photographieren, also zündete er sie sich an. Die Stelle, an der Herr Allam saß, war etwas ungünstig für das Photo, aber da ich ihn nicht woanders posieren lassen wollte, dauerte es etwas, bis ich einen anständigen Winkel gefunden hatte. Während der ganzen Zeit vermied Herr Allam es angestrengt, in meine Richtung zu schauen.

Nach dem Photo setzten wir unsere Unterhaltung noch lange fort.

Herr Allam stammt ursprünglich aus Ägypten, war zunächst in den 70ern eine kurze Zeit Schauspieler am Staatstheater, bevor er in die Stadtverwaltung wechselte und sich irgendwann als PC-Techniker selbstständig machte. Er heiratete eine deutsche Frau und hat inzwischen erwachsene Kinder.

Herr Allam, möchte im Leben mit allen Menschen gut auskommen und Frieden haben. Er betonte das Wort „Menschen“ und sagte, genau darum gehe es doch – die anderen als Menschen wahrzunehmen und nicht in irgendeiner Rolle. Was, so fragte er, bringt es denn im Leben auch, andere Menschen zu hassen? Er tippte sich an den Kopf und fügte hinzu: Andere mögen anders denken, aber das ist meine Überzeugung!

Vielen Dank, Herr Allam!

(Anmerkung: In einer ersten Version war hier immer nur die Rede von einem "Herrn A.", da ich normalerweise keine Nachnamen veröffentliche. Nachdem Herr Allam diesen Eintrag aber gelesen hat und ausdrücklich sagte, ich dürfe seinen vollen Namen verwenden, habe ich den Namen ausgeschrieben.)

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