Donnerstag, 7. November 2013

Franziska (#258)


Es war schon spät abends, als ich einen Club in Stuttgart betrat. Franziska fiel mir sofort auf, und ich fand mich erneut in der misslichen Situation, die Kamera nicht dabei zu haben. Natürlich hatte ich das Handy mit, und aus der Erfahrung mit Tanja war mir noch präsent, daß ein Handyphoto ungleich besser ist als gar kein Photo.

Dennoch dachte ich zunächst gar nicht daran, Franziska anzusprechen, denn ich war mit meiner Frau unterwegs.

Schon zu Beginn meines Projekts hatte sich gezeigt, daß meine Frau mein Projekt zwar unterstützt und mir zum Beispiel oft bei der Auswahl des passenden Portraits aus zwei oder drei Alternativen hilft, daß sie aber nicht bei den Begegnungen dabei sein will. Umgekehrt kommt es meinem Verständnis vom Projekt entgegen, wenn ich mich voll auf meinen Fremden konzentrieren und die Begegnung aus sich heraus steuern kann, ohne noch an eine dritte Person zu denken.

Ich zeigte meiner Frau also Franziska: Sieh mal, sie würde ich nach einem Photo fragen. Und damit war die Sache erledigt.

Oder eben auch nicht.

Es ließ mir nämlich keine Ruhe, und als ich meiner Frau irgendwann sagte, daß ich wohl doch mein Glück versuchen mußte, meinte sie, sie sei in der Zwischenzeit auf der Tanzfläche gut aufgehoben.

Ich unterbrach Franziska mitten in ihrem Gespräch und erklärte ihr meine Misere mit dem Projekt und der zu Hause liegenden Kamera. Sie war rasch damit einverstanden, es mit dem Handy zu versuchen, und dies ist das Ergebnis.

Wir unterhielten uns noch eine Weile über Franziskas Beruf als (Theater-)Schauspielerin und die Ausbildung dazu, bis ich irgendwann glaubte, mich nun doch wieder um meine Frau kümmern zu müssen.


Vielen Dank, Franziska!

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