Samstag, 16. November 2013

Aus dem Archiv: Lucie (#47)



Während ich auf die U-Bahn wartete, sah ich Lucie. Sie fiel mir unter anderem auf, weil sie so unnahbar wirkte. Ich überlegte, sie direkt am Bahnsteig anzusprechen, aber ich mußte auf jeden Fall die nächste U-Bahn nehmen.

Also hoffte ich, dass Lucie auch auf meine U-Bahn wartete. Die Bahn kam, und wir stiegen beide ein. Ich setzte mich ein paar Sitze entfernt von ihr ihn, tat aber nur einen tiefen Atemzug und stand dann wieder auf, um mich direkt neben sie zu setzen.

Lucie war überrascht als ich sie ansprach und murmelte etwas wie Entschuldigung, ich war in Gedanken, was?

Ich erklärte mein Projekt – und zu meiner Überraschung war Lucie die freundlichste Person, die man sich vorstellen konnte. Sie war einverstanden. Ich sagte ihr, daß ich einen etwas größeren Abstand bräuchte. Klar, antwortete sie, dann denke ich solange wieder nach.

Ich ging zu einem anderen Sitzplatz und machte zwei oder drei schnelle Aufnahmen, bevor ich mich wieder zu ihr setzte. Lucie hatte (damals) einen anderthalbjährigen Sohn, und so unterhielten wir uns vor allem über Kinder. Als ich sie fragte, worüber sie denn vorhin nachgedacht habe, lachte sie und meinte: Ach, eigentlich nur über Einkäufe, die ich noch erledigen muß.

Meine Haltestelle kam leider viel zu schnell.

Das Photo von Lucie ist eines der Portraits, mit denen ich nicht zufrieden bin. Es gelang mir nicht, das abzubilden, was ich wollte. Klar, ich war in Eile, ich hatte allles andere als freie Platzwahl in der U-Bahn und das Licht war mies. Aber das sind bloß Ausreden. Ich glaube, man muß das beste machen aus dem, was zur Hand ist, und wenn man seine Idee unter den gegebenen Umständen nicht verwirklichen kann, dann muß man sich eben eine neue Idee einfallen lassen, die funktioniert.


Vielen Dank, Lucie!

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