Sonntag, 13. Oktober 2013

Luigi (#254)



An dieser Stellte sollte eigentlich das Portrait einer ganz anderen Person erscheinen:

Ich sprach eine ältere Dame an, die in Begleitung eines älteren Herrn und eines jüngeren Pärchens war. Die Gruppe hatte sich auf italienisch unterhalten, und es stellte sich heraus, dass die Dame offenbar nicht sonderlich gut deutsch sprach. Die anderen schienen ihr zu übersetzen, worum es mir ging. Als sie ablehnte, bestürmten die anderen sie, doch mitzumachen, und alle versprühten das berühmte lebenslustige und lautstarke italienische Temperament. Die Dame schien trotzdem nicht gewillt, ein Photo von sich machen zu lassen. Der jüngere Mann bot mir an, dass ich ihn photographieren könne, doch ich sagte, dass ich die Dame für mein Projekt gewinnen wollte.

Indes, es half nichts. Die Dame blieb bei ihrer Ablehnung. Irgendwann verabschiedete ich mich.

Nach wenigen Schritten fiel mir noch ein, dass ich vielleicht mit einer Auswahl meiner bisherigen Portraits punkten konnte. Also zückte ich mein Handy und kehrte um, nur um die kleine Gruppe dicht gedrängt um ein eigenes Handy zu finden – sie hatten bereits den Link von meiner Karte aufgerufen und sahen sich meine Internetseite an.

Die Dame ließ sich noch immer nicht erweichen. Der jüngere Mann erneuerte sein Angebot, dass ich ja ihn photographieren könnte, und dieses Mal nahm ich es an.

Dabei entstand dieses Portrait von Luigi. Nach der Aufnahme fragte er, ob sich das Photo auf dem Display anschauen ließe. Ich zeigte es ihm und den anderen, und wieder brach sich das italienische Temperament Bahn: Sie schienen begeistert und lobten es lautstark. Luigi, seine Frau und der ältere Herr stürmten erneut auf die Dame ein, sie möge doch jetzt endlich mitmachen. Ich verstand nichts bis auf ein paar Wortfetzen. Das Wort „proffessionale“ schien auffallend häufig zu fallen.

Wäre ich an der Stelle der Dame gewesen, ich hätte diesem geballten Ansturm der drei anderen allenfalls Sekunden standgehalten. Bei der Dame aber war nichts zu machen: Sie wollte nicht, und sie blieb dabei.

Natürlich hätte ich dieses Photo von der Dame sehr gerne gemacht. Doch immerhin wurde ich mit einer sehr lustigen Episode entschädigt, die offenbar allen (vielleicht mit einer Ausnahme?) großen Spaß gemacht hatte. Und ein – wenn auch ganz anderes – Portrait sprang auch noch für mich heraus.


Vielen Dank, Luigi – für das Photo und die Unterstützung!

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