Dienstag, 24. September 2013

Tanja (#250)


Ich war in einer Halle klettern. Irgendwann sah ich Tanja, die dort mit einer Freundin in den Routen unterwegs war, und mir wurde sofort schmerzlich bewußt, daß ich keine Kamera dabei hatte.

Ich unternahm – nichts. Nach dem Klettern zog ich mich um und verabschiedete mich draußen vor der Halle von meiner Kletterpartnerin. Da stand ich dann mit einem Male, in der regnerischen Dunkelheit, und überlegte:

Keine Kamera, das war nicht ganz richtig - ich hatte schließlich mein Handy in der Tasche.

Aber der Akku war ja fast leer. Und das Licht in der Halle zum Photographieren geradezu grauenhaft. Das konnte ja nichts werden, schon gar nicht mit dem Handy. Und eine Visitenkarte hatte ich auch nicht mit. Nicht einmal einen Stift und einen Zettel, nichts.

Natürlich waren das alles bloß Ausreden, und ich wußte es.

Ich hatte zwei Möglichkeiten: Ich konnte es mir selbst ausreden und mich hinterher ärgern. Oder die Einwände einfach nicht gelten lassen.

Ich atmete tief durch und schob die Gedanken in irgendeine hintere Ecke, setzte mich stattdessen wieder in Bewegung, zurück zur Kletterhalle. Am Eingang warf ich meinen Rucksack achtlos auf den Boden, ging hinein, die Treppe hinunter, lief zickzack vorbei an Routen und vielen Kletterern.

Ich hatte Glück. Weder Tanja noch ihre Freundin waren gerade in einer Route, und so ging ich geradewegs auf sie zu und sprach sie an.

Ich kann gar nicht sagen, ob Tanja sehr überrascht war. An irgendeinem Punkt jedenfalls hellte sich ihre Miene schlagartig auf und sie sagte: Klar!

Ich machte drei Aufnahmen und lief danach wieder hoch zum Eingang, besorgte mir an der Bar Stift und Papier und notierte meinen Daten. Damit ging ich wieder hinunter, um es Tanja zu geben.

Tanja ist Opernsängerin.

Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, mal ein Handy-Photo einzuschieben, so als eine Art Experiment und als weitere Herausforderung. Allerdings hatte ich da an etwas freundlichere Aufnahmebedingungen gedacht. Das Portrait von Tanja ist denn im Grunde auch so geworden, wie ich es befürchtet hatte.

Und doch bin ich sehr zufrieden damit – es ist anders. Da ist es ganz passend, daß ich das Adrenalin spürte wie bei meinen ersten Portraits. Erst im Nachhinein stellte ich fest, daß es ausgerechnet Portrait #250 ist...


Vielen Dank, Tanja!

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