Sonntag, 14. Juli 2013

Sarah (#245)


Bei Sarah bedurfte es einiger Überredungskunst, um sie zum mitmachen zu bewegen. Es gibt da kein klares Konzept – manchmal akzeptiere ich ein „Nein“ sofort und biete lediglich noch meine Karte an. Meistens versuche ich es mit einer genaueren Erklärung, was es mit dem Projekt auf sich hat. Das setzt immerhin voraus, daß jemand überhaupt bereit ist, zuzuhören. Dabei belasse ich es dann oft – ich will ja, daß sich meine Fremden hinterher noch immer wohl fühlen und nicht überrumpelt oder gar unter Druck gesetzt. Andererseits glaube ich, daß es durchaus Leute gibt, denen die Idee zwar gefällt, sie ist aber im ersten Moment zu ungewohnt und überraschend. Diese Personen „brauchen“ dann bloß einen kleinen Schubser, und sie freuen sich hinterher sogar, sich getraut zu haben.

Und das ganze vermengt sich natürlich mit meinen eigenen Gedanken: Bei manchen will ich ein Photo noch stärker als bei anderen, und es kommt auch auf die eigene Stimmung an, wie weit man gehen kann, ohne aufdringlich zu wirken.

Jedenfalls, bei Sarah mußte ich mich etwas ins Zeug legen: Sie hatte es eilig und war auch skeptisch, was mit ihrem Photo geschehen würde. Ich versuchte, ihr das genau zu erklären und versprach außerdem, es werde keine fünf Minuten dauern – bloß, um mich gleich darauf selbst zu unterbieten und ihr zwei Minuten zu garantieren. Ich lief dabei ein Stück neben ihr her; sie blieb erst stehen, als ich ihr anbot, ein paar meiner bisherigen Photos auf dem Handy zu zeigen. Irgendwann war sie einverstanden.

Wir waren mittlerweile nahe des Ortes angekommen, wo sie sich mit jemandem treffen wollte – diese Person hatte schon gewartet und sah uns aus einiger Entfernung, war dann aber so geduldig, die zwei Minuten, die ich für das Photo benötigte, ein paar Schritte entfernt zu warten.

Viel weiß ich also nicht über Sarah zu berichten – darum lasse ich es lieber ganz; vielleicht erzählt das Photo einiges.


Vielen Dank, Sarah!

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