Dienstag, 2. April 2013

Jochen (#227)




Jochen war gerade im Begriff, einen Laden auf der Stuttgarter Königsstraße zu betreten, als ich ihn ansprach und um ein Photo bat. Er war recht schnell einverstanden damit und stellte seine Einkaufstasche im Laden ab, während ich ihn einige Schritte davor portraitierte.

Danach unterhielten wir uns lange. Irgendwann tauchte eine Verkäuferin auf und wollte die scheinbar herrenlose Einkaufstasche wegräumen. Jochen hatte durch das Schaufenster immer wieder nach der Tasche Ausschau gehalten und konnte noch rechtzeitig einschreiten.

Jochen hat schon einige Dinge ausprobiert in seinem Leben – er war unter anderem mit einer eigenen Firma im Security-Bereich tätig – bis er schließlich als Graveur seine Berufung fand und bei einem alteingesessenen Meister arbeitete. Später übernahm er dessen Laden, mußte jedoch am Ende Insolvenz anmelden. Es war zu spüren, dass er noch immer begeistert war vom Beruf eines Graveurs, aber es schwang auch Bitterkeit mit über die Tatsache, daß dieser Beruf langsam ausstirbt.

Demnächst will Jochen an den Lago Maggiore umziehen – er hofft, daß seine Dienste als Graveur dort mehr Nachfrage finden als hier. Zur Vorbereitung paukt er italienisch und regelt hier noch einige Dinge.

Ich hatte vor dem Gespräch mit Jochen nur eine vage Vorstellung davon, was ein Graveur macht. Die Darstellung auf Wikipedia, die ich mittlerweile nachgeschlagen habe, ist leider ziemlich dünn im Vergleich zu den vielen verschiedenen Tätigkeiten, von denen Jochen berichtete.

Jochen ist 48 und hat eine erwachsene Tochter.

Vielen Dank, Jochen, und viel Glück am Lago Maggiore!


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