Donnerstag, 14. März 2013

Tini (#225)




Ich bemühe mich in meinem Projekt um eine gewisse Ausgeglichenheit, um einen - sehr subjektiven und von anderen Aspekten stark überlagerten - Querschnitt durch die Gesellschaft. Dabei wurde rasch deutlich, daß ältere Frauen etwas unterrepräsentiert sind - wobei “ältere Frauen“ in diesem Zusammenhang nur als Abgrenzung zu „ganz junge Frauen“ zu verstehen ist.

Warum sind ältere Frauen in meinem Projekt unterrepräsentiert? Gewichtigster und zugleich simpelster Grund ist, daß ältere Frauen es in der Regel ablehnen, bei meinem Projekt mitzumachen. Das hat zur Folge, daß ich unbewusst bei dieser Gruppe auch am ehesten zögere, sie anzusprechen. (Übrigens zeigt schon die nächste Fremde, die hoffentlich in ein paar Tagen online geht, daß man das nicht verallgemeinern darf.)

Mir fallen daneben noch ein paar weitere mögliche Gründe ein, die unter anderem mit gesellschaftlichen Vorstellungen zu tun haben. Und schließlich mag es auch daran liegen, daß ältere Frauen einem Mann Ende 30 generell mit gewissen Vorbehalten begegnen, - erst recht, wenn er sie nach einem Photo fragt.

Vor kurzem habe ich jedenfalls wieder über diese Sache sinniert und dann beschlossen, das zumindest ein wenig zu korrigieren. Als ich wieder etwas Zeit fand, um nach Fremden Ausschau zu halten, konzentrierte ich mich also ganz bewußt auf ältere Frauen – und mußte am Ende mit drei Ablehnungen erfolglos nach Hause zurückkehren.

Ein paar Tage später machte ich mich erneut auf den Weg, natürlich wieder mit dem Vorsatz, eine ältere Frau für mein Projekt zu gewinnen.

Das Photo von Tini illustriert deutlich, daß ich damit erneut keinen Erfolg hatte. Was war passiert? Ich schlenderte durch die Straßen Stuttgarts, meinen Blick fest auf ältere Damen gerichtet, als mit einem Male Tini an mir vorüberging. Praktisch im selben Moment hatte ich auch schon meinen Vorsatz freudig über Bord geworfen, - ich kehrte um und ging ihr nach. Doch bevor ich sie einholte, verschwand sie in einem Schuhgeschäft.

Es war nicht das erste Mal, daß ich wartend vor einem Laden herumlungerte. Nach wenigen Minuten aber fiel mir ein, daß die Kombination von „Frau“ und „Schuhe“ leicht bedeuten konnte, daß ich eine gefühlte Ewigkeit draußen würde warten müssen.

Also beschloß ich, neues taktisches Terrain zu betreten und ging hinein in den Laden. Ich fand Tini und sprach sie sofort an.

Nein, sagte Tini zu meiner Frage nach einem Photo. Ich begann, Tini von meinem Projekt zu erzählen. Doch sie sagte erneut nein und fügte hinzu: Ich sehe immer blöd aus auf Photos.

Ich versuchte es mit ein wenig Angeberei: Du hast meine Photos noch nicht gesehen...

Wie, fragte Tini, hier im Schuhgeschäft? - Falls das für Dich ok ist, antwortete ich, würde ich das Photo gerne draußen machen, da ist auch das Licht besser.

Tini willigte ein. Auf dem Weg nach draußen meinte sie noch, sie wolle dann aber ganz genau wissen, wo das Bild hinkomme und drohte mir: Wehe, es wird nicht gut! Ich glaube, das war nur halb im Spaß...

So, hier also ist Tini.

Tini ist Ingenieurin und arbeitet bei einer bekannten Firma in Esslingen. Auf meine Feststellung, daß sie als Ingenieurin vermutlich etwas heraussteche, antwortete sie lachend, das sei bloß optisch, innerlich sei sie total spießig...

Unsere Unterhaltung blieb kurz, ich spürte, daß Tini wieder los wollte – und so ließ ich sie kurz nach dem Photo wieder in den Laden gehen.

Trotzdem neugierig auf mehr über Tini? Dann am besten gleich ihren Blog besuchen – sie hat dort noch am Tag unserer Begegnung über unsere Begegnung berichtet: Hier klicken!


Vielen Dank, Tini!



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