Freitag, 22. März 2013

Andrea (#226)



Wie schon bei meiner letzten Fremden (Tini) erläutert, ist es schwierig, ältere Frauen dazu zu bewegen, bei meinem Projekt mitzumachen. Natürlich ist das nur eine Verallgemeinerung, im Grunde sogar nichts anderes als ein Vorurteil. Die Menschen sind zu verschieden und viel zu individuell, als daß man mit einer Verallgemeinerung etwas über einen ganz bestimmten Menschen aussagen könnte.

Genau das ist ja das Problem mit Vorurteilen, daß wir dazu neigen, uns ganz auf sie zu verlassen, obwohl wir besser beraten wären, sie zu hinterfragen und uns ihrer bewußt zu werden. Es ist eines der Ziele meines Projekts, das deutlich zu machen.

In der zuvor erwähnten Tini hätten beispielsweise die wenigsten eine Ingenieurin vermutet. Auch die Reaktionen meiner Fremden lassen sich unmöglich voraussagen – da gibt es die harten, gefährlich aussehenden Männer, die aber ganz freundlich und aufgeschlossen sind und da gibt es die nett und wohlsituiert aussehenden Leute, die feindselig reagieren. Und umgekehrt - alles ist möglich.

Als ich Andrea ansprach, hatte ich mich – entsprechend meines Vorurteils – darauf gefaßt gemacht, daß sie mich einfach stehen lassen würde. Tatsächlich aber habe ich selten so eine aufgeschlossene und freundliche Person getroffen wie Andrea. Sie fragte gleich, wofür das Photo gedacht sei, und nachdem ich ihr mein Projekt kurz umrissen hatte, rief sie aus: Das ist ja süß! Und sie war sofort dabei.

Andrea ist Musiktherapeutin, die früher viel mit Kindern gearbeitet hat, heute aber meist Erwachsene mit den unterschiedlichsten Hintergründen „behandelt“ - psychosomatische Störungen, Krebserkrankungen, etc.

Leider hatte sie es etwas eilig, und so war sie schneller wieder weg, als mir lieb war.

Vielen Dank, Andrea!

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