Samstag, 9. Februar 2013

Ede (#220)



Vier Wochen. So lange ist jetzt her, dass ich ein Portrait eines Fremden gemacht habe. In diesen vier Wochen war ich mit anderen Dingen beschäftigt und habe tatsächlich keine Zeit gefunden. Nach so langer Zeit ist es wieder ein etwas seltsames Gefühl; man kommt offenbar recht schnell aus der Übung.

Ich war schon eine ganze Weile durch die Stuttgarter Innenstadt geschlendert, bis ich am Schloßplatz endlich einen älteren Herrn entdeckte, er trug eine Mütze, darunter etwas längere weiße Haare, dazu einen Mantel und eine feine Aktentasche. Er war in Begleitung einer etwas jüngeren Frau.

Als ich ihn mit einem „Entschuldigung“ ansprach, blickte er mich nicht an, sondern sagte nur „danke, danke, danke“ und ging unverminderten Schrittes weiter. Ich ging noch zwei, drei Schritte mit und merkte, wie er zur Seite schielte um zu sehen, ob sein Dankes-Trick es geschafft hatte, mich abzuhängen. Ich blieb stehen und ließ es gut sein.

Wiederum eine Weile später sah ich Ede in Begleitung von zwei weiteren Männern. Ede blieb bereitwillig stehen, als ich ihn ansprach und ihm mein Projekt erläuterte.

Was willste mit dem Photo machen, ins Internet stellen?“ fragte er gleich. Am Ende war er einverstanden – „aber nicht, dass ich in eine Verbrecherkartei komme“, rief er noch.

Ede ist aus der Lüneburger Heide, wo er für Volkswagen arbeitet. In Stuttgart war er zu einer Fortbildung, in der es um Anlagensteuerung ging.

Vielen Dank, Ede!

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