Donnerstag, 3. Mai 2012

Maria-Luise (#180)

Maria-Luise begegnete ich eines Morgens am Ausgang einer Unterführung. Auf der Treppe befand sich eine kleine Lache, vielleicht war es Reinigungswasser von einem nahegelegenen Laden, vielleicht war es auch Pisse. Jedenfalls blickte Maria-Luise mit Ekel auf diese Lache, während sie darauf achtete, nicht hineinzutreten.

Ich war sofort fasziniert von Maria-Luises Stil und wie sie einfach nicht in diese Umgebung passen wollte. Also fragte ich sie nach einem Photo. Von mir? erwiderte Maria-Luise. Das war mein Stichwort, um ihr mehr von meinem kleinen Projekt zu erzählen, aber ich war noch nicht einmal ganz fertig damit als sie mich unterbrach und sagte: Ja, dann machen Sie.

Maria-Luise hatte ihren Wagen zum Service gebracht und wollte nun etwas einkaufen gehen.

Normalerweise benutze ich ein 85mm- oder 135mm-Objektiv für meine Photos, damit entstehen regelmäßig Kopf- oder Brustportraits. Um ein wenig mehr von der Umgebung einzufangen, schraubte ich mal für zwei Wochen ein 50mm-Objektiv auf die Kamera, das einen weiteren Bildwinkel aufzeichnet. Das bringt es mit sich, daß bei diesem Portrait (ich lichte meine Fremden immer dort ab, wo ich sie treffe) ein paar störende Elemente sichtbar sind. Ich bin zwar auch noch ganz nah an Maria-Luise heran und habe ein Kopfportrait gemacht, mich dann aber doch für dieses hier entschieden, das vielleicht mehr von dem Gefühl wiedergibt, das ich von ihr hatte: Eine Dame, die dort nicht hingehört.

Vielen Dank für's Mitmachen, Maria-Luise!


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