Sonntag, 6. November 2011

Pham (#36)



Diese wunderbare Frau schien mit ihrer ganzen Familie durch die Stadt zu gehen. Die kleine Gruppe schaute sich offenbar die Sehenswürdigkeiten an, machte Photos und Videoaufnahmen. Ich traute mich nicht, diese Dame nach einem Photo zu fragen – sie schien so würdevoll und war inmitten ihrer Familie, es schien mir taktlos, sie anzusprechen.

Eine Weile später sah ich die Gruppe plötzlich wieder, sie waren über ein paar Meter verstreut und schienen Rast zu machen. Ich beobachtete die Gruppe aus der Entfernung.

Dann ging ich weiter – doch nur, um nach wenigen Metern umzudrehen und mir zu sagen: Was soll's – diese Dame ist so wunderbar, ich werde sie ganz vorsichtig fragen! Sie wird ablehnen, - aber wenn es etwas gab, was ich bei diesem Fremden-Projekt bislang gelernt hatte, dann war es dies: Erwarte das Unerwartete.

Ich ging also zu der Dame und eröffnete nicht mit meinem üblichen Spruch. Stattdessen sagte ich, ich hätte eine Frage, die ihr vielleicht seltsam vorkommen würde. Doch sie schien mich nicht zu verstehen. Eine junge Frau aus der Gruppe kam rasch zu mir. Ich wiederholte ihr gegenüber, was ich soeben gesagt hatte, und sie übersetzte es der Dame in eine asiatische Sprache. Ihre Minen schienen freundlich, und ich schöpfte etwas Hoffnung.

Ein Mann aus der Gruppe trat ebenfalls heran, offenbar war er der Vater der jungen Frau. Sie sprachen in der fremden Sprache miteinander, ich hörte aber auch, wie die junge Frau ein deutsches Wort darin unterbrachte, das ich zuvor verwendet hatte.

Ok, dachte ich mir, das war's. Der wird ablehnen.

Aber ich irrte mich. Der Mann war sehr freundlich, erkundigte sich genauer nach meinem Projekt, sprach mit der alten Dame – und schließlich waren sie einverstanden. Sie nahmen meine Karte gerne entgegen und schienen sich schließlich sogar sehr darauf zu freuen, das Photo online zu sehen.

Dies ist also Pham. Sie ist aus Vietnam und besucht mit einem Teil ihrer Familie einen anderen Teil der Familie, der in Deutschland lebt. Die junge Frau, die zunächst für mich übersetzte, war ihre Enkelin.

Am Ende fragte ich die Enkelin, was „danke“ auf vietnamesisch heißt und versuchte, das Wort Pham gegenüber zu wiederholen.

Leider habe ich nichts mehr von Pham oder ihren Verwandten gehört. Ich hoffe, sie hatten einen angenehmen Aufenthalt und mögen das Portrait.

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