Donnerstag, 10. November 2011

Petra (#38)


Es ist ja nichts ungewöhnliches, daß Taxen von Mercedes sind, aber ich konnte mich nicht erinnern, jemals eine S-Klasse als Taxi gesehen zu haben. Und in diesem Taxi saß eine Frau als Fahrerin – das machte mich neugierig. Also ging ich hin und bat die Dame um ein Photo. Zunächst wollte Petra nicht mitmachen, dann erklärte sie sich doch einverstanden, auch wenn sie nach wie vor nicht glücklich damit schien.

Ich werde aber nicht in die Kamera schauen, sagte sie. Nach der ersten Aufnahme schaute sie doch, und so entstand dieses Photo.

Aber Sie haben ja den Wagen gar nicht mit aufgenommen, sagte sie. Ja, ich wollte nur ihr Gesicht drauf, antwortete ich und zeigte ihr das Photo. Oh, meinte sie daraufhin, das ist nicht schön, ich schaue so ernst. Ich bot Petra an, noch eine Aufnahme zu machen – mit der war sie dann zufrieden.

Ich sprach Petra auf den Wagen an, und sie begann gerade zu erzählen, daß sie ein besonderes Taxi-Unternehmen betreibe, als ein Kunde kam. Da gab ich ihr nur meine Karte und störte nicht weiter.

Obwohl ihr dieses Photo nicht gefiel, habe ich mich doch dafür entschieden – und den ernsten Ausdruck durch die Entwicklung sogar noch verstärkt. Warum? Weil sie eben so auf mich wirkte: ernst, zuverlässig, diskret und elegant. Also so, wie sie vermutlich auch auf Kunden wirken möchte. Die netten kleinen Fältchen um ihre Augen zeigen aber, daß Petra vermutlich eine Frau ist, die doch gerne lacht, wenn sie es für angemessen hält.

Letzten Endes blieb mir aber auch gar nichts anderes übrig, als dieses Photo zu nehmen: Es war ein heller sonniger Tag, und ich hatte vorsorglich meinen ND-Filter auf das Objektiv geschraubt, um dennoch mit offener Blende arbeiten zu können. Leider war es aber innerhalb des Taxis viel dunkler, und ich habe es versäumt, meine Einstellungen anzupassen. Normalerweise kann ich auch längere Verschlußzeiten recht gut mit bloßer Hand halten, aber hier gelang mir das nicht und die anderen Photos waren verwackelt. Für die meisten Verwendungszwecke hätte es dennoch genügt, aber sie waren trotzdem noch schlechter als dieses hier – dem ebenfalls die allerletzte Schärfe fehlt.

Solche Fehler sind ärgerlich; inzwischen passieren sie mir nur noch selten – aber ganz ausmerzen lassen sie sich offenbar nicht...

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