Sonntag, 6. November 2011

Deborah (#37)


Ich begann meine Rundgänge auf der Suche nach Fremden für mein Projekt oft mit einer gewissen Vorstellung, wen ich photographieren wollte – also ob es ein Mann oder eine Frau, ob es jemand altes oder junges sein sollte. Je weiter ich mit dem Projekt vorankam, desto spezifischer wurden manchmal die Vorstellungen, weil es auch darum ging, einen gewissen Querschnitt durch die Bevölkerung abzubilden. So war ich in der zweiten Hälfte des Projekts beispielsweise lange auf der Suche nach einer Frau mit einem Kopftuch.

Natürlich kam es oft genug ganz anders, zumal wenn ich zwar nach einiger Suche jemanden fand, der meiner ursprünglichen Vorstellung entsprach, diese Person dann aber nicht bei meinem Projekt mitmachen wollte.

Ich hatte zuletzt recht viele Männer photographiert, und so war ich heute schlichtweg auf der Suche nach einer Frau – und wurde in Deborah fündig. Sie saß mit zwei Freunden an einer Säule, unterhielt sich und genoß die Sonne. Deborah war sofort bereit, mitzumachen.

Ich arbeite nach dem Grundsatz, die Leute nicht zu dirigieren oder sie um spezielle Posen oder Gesichtsausdrücke zu bitten. Überhaupt versuche ich beim photographieren, nichts zu verändern, sondern mit der Situation so zu arbeiten, wie ich sie vorfinde.

Aufgrund meiner früheren Aufnahmen war mir klar, daß ich die Säule nicht direkt hinter Deborah haben wollte. Also ging ich zur Seite, um freien Raum hinter Deborah zu haben, allerdings ohne ihr das zu erklären oder sie zu bitten, sich kurz anders hinzusetzen. Im Nachhinein kam mir der Gedanke, daß es auf Deborah recht seltsam gewirkt haben muß, wie ich da immer weiter zur Seite ging und sie schließlich fast hinter ihrem Rücken photographierte.

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