Dienstag, 18. Oktober 2011

Thomas (#13)


Obwohl ich mit dem Auto an Thomas vorbeifuhr, fiel er mir doch auf: Er saß vor seinem kleinen heruntergekommenen Bücherladen, der weit mehr einer Baracke gleicht. Da saß er auf einem Klappstuhl, direkt an der Straße und las. Einen halben Kilometer weiter kam ein Kreisverkehr, und ich nutzte die Gelegenheit, um zurückzufahren und einige Meter von Thomas entfernt anzuhalten. Thomas lachte über meine Bitte, ihn photographieren zu dürfen, war dann aber rasch einverstanden.

Thomas ist aus Chicago und kam mit der Armee nach Deutschland. Bemerkenswert war seine Schilderung, warum er dann in Deutschland blieb: In Chicago hatte ihn ein schrecklicher Heuschnupfen geplagt, der in Deutschland plötzlich verschwunden war – da blieb er kurzerhand hier.

Thomas arbeitete schließlich für das Stuttgarter Straßenbahnunternehmen und ging vor vielen Jahren in den Ruhestand. Schon als er nach Deutschland kam, war das Verkaufen englischer Bücher sein Hobby – dabei blieb er über all die Jahre hinweg. Profit macht er dabei wohl keinen, denn es handelt sich um gebrauchte Bücher, die er ausnahmslos für 1 EUR verkauft.

Auf mich wirkte Thomas deutlich jünger, als er tatsächlich ist – er lachte und meinte, er stehe jeden Tag früh auf und genieße ein ausgiebiges Frühstück.

Es war einfach bewundernswert, wie entspannt Thomas wirkte und wie er sich so hingebungsvoll seinem Hobby widmet, einfach weil er es gerne tut. Irgendwann zeigte er mir das Innere seines kleinen Ladens – dort sah es einfach nur chaotisch aus, überall Bücher auf Bücher. Thomas meinte leicht entschuldigend, er müsse wirklich mal aufräumen, aber am Ende sitze er jedesmal doch wieder in der Sonne und lese einfach. Ja, und warum sollte er auch etwas anderes tun!

Thomas schenkte mir ein Buch zum Abschied. Irgendwann werde ich ihn wieder besuchen.

Danke, Thomas. Genieße das Lesen!

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