Montag, 17. Oktober 2011

Svetlana (#11)


Svetlana prägte die Nummernschilder für mein neues Auto.

Sie arbeitet in einem heruntergekommenen Gebäude unweit der Zulassungsstelle. Während ich einen Moment darauf wartete, daß sie die Schilder prägte, überlegte ich, ob ich sie nach einem Photo fragen sollte. Ich beschloß, erst die Sache bei der Zulassungsstelle zu erledigen – was natürlich bloß eine Ausrede war, um sie nicht zu fragen.

Wie es manchmal so ist, kam ich unverrichteter Dinge aus der Zulassungsstelle zurück und war deswegen eher übler Laune. Na, sagte ich mir, dann frage ich auf jeden Fall die Frau mit den Nummernschildern, sonst war mein Weg ja völlig umsonst.

Nun aber war der Laden plötzlich voller Kunden. Ich schlich mich wieder hinaus und tröstete mich mit dem Gedanken, daß ich ja ohnehin wiederkommen mußte.

Einige Tage später war ich wieder da – und ging erneut an der kleinen Baracke vorbei, um erst zur Zulassungsstelle zu gehen. Dieses Mal klappte alles ,und auf dem Rückweg betrat ich mit meinen frisch gestempelten Nummernschildern unter dem Arm wieder den kleinen Laden – und kein Kunde weit und breit. Die Frau lächelte und fragte, wie sie mir helfen könne.

Ich habe vor ein paar Tagen diese Nummernschilder hier bei Ihnen gekauft, begann ich und beeilte mich hinzuzufügen: Deswegen bin ich aber nicht da, mit denen ist alles in Ordnung – ich wollte Sie nur fragen, ob ich ein Photo von Ihnen machen kann.

Die Frau war völlig überrascht und starrte mich sichtlich ratlos an. Ich erzählte ihr von meinem Projekt und fragte, ob sie einverstanden sei. Noch immer starrte sie mich unsicher an und sagte: Nein, nicht so ganz.

Oh, erwiderte ich, wenn Sie nicht einverstanden sind, dann mache ich natürlich kein Photo und veröffentliche es auch nicht im Internet.

Das war alles andere als eine geistreiche Erwiderung, die ich da herausgestammelt hatte – aber irgendwie bewirkte das Aussprechen dieser Selbstverständlichkeit, daß die Frau offenbar genug Vertrauen zu mir faßte, um doch zu sagen: Na ja, ok, warum nicht.

Sie fragte, was sie tun solle. Eigentlich nichts, sagte ich, bleiben Sie einfach da stehen. Ich machte schnell drei Aufnahmen, dann fragte ich sie nach ihrem Namen und gab ihr meine Karte. Es kann ein paar Tage dauern, bis das Photo online ist, fügte ich hinzu.

Der kleine Laden war noch immer leer, kein Kunde war in der Zwischenzeit hereingekommen. Die besten Voraussetzungen also, um ins Gespräch zu kommen. Ich stellte Svetlana ein paar Fragen, aber es gelang mir nicht, uns die Befangenheit zu nehmen, und so blieb unser Gespräch kurz.

Ein Punkt, an dem ich wirklich arbeiten mußte.

Vielen Dank, Svetlana!

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