Samstag, 22. Oktober 2011

Sabina & Christina (#17)


Ich hatte Zeit und war unterwegs, um Fremde für mein Projekt zu finden. Schon in der U-Bahn sah ich eine sehr interessante Frau. Sie telephonierte jedoch, und als sie fertig war, erreichten wir schon meine Haltestelle – was natürlich bloß eine Ausrede war, denn ich hätte ja einfach weiter fahren können.

Zu Beginn meines Projekts hatte ich natürlich ohnehin Mühe, fremde Leute einfach so auf der Straße anzusprechen. Ganz besonders machten mir junge Frauen Schwierigkeiten – das begann sich nun zu ändern. U-Bahnen waren aber nach wie vor schwierig, ich hatte mich noch getraut, jemanden dort anzusprechen.

Als ich nun jedenfalls aus der U-Bahn gestiegen war, hätte ich mich selbst ohrfeigen können. Gleichzeitig war ich mir aber auch sicher, daß ich aus diesen verpaßten Gelegenheiten lernen würde. 

Wenig später sah ich eine ältere Frau, die ich für das Projekt haben wollte, und ich zögerte nicht, sie anzusprechen. Ich erklärte ihr mein Projekt und beantwortete all ihre Fragen, aber sie fand das alles noch immer reichlich suspekt und lehnte ab. Wie üblich in solchen Fällen, gab ich ihr dennoch meine Karte, so daß sie zu Hause in Ruhe nachsehen konnte, was geschehen wäre, hätte sie mitgemacht – doch sie antwortete, daß sie mit der Karte nichts anfangen könne, da sie keinen Internetzugang habe und gab sie mir zurück. Ich dankte der Dame für ihre Zeit und ging weiter.

Meine Zeit war fast abgelaufen, als ich diese zwei jungen Frauen an einem Springbrunnen sitzen sah, sie unterhielten sich und lachten viel. Ich trat etwas zurück und schraubte den ND-Filter auf das Objektiv, dann ging ich zu ihnen.

Sie waren sehr überrascht, daß ich ein Photo von ihnen wollte, und wir sprachen ausführlich über mein Projekt. Schließlich waren sie damit einverstanden, daß ich ein Photo von ihnen machte und es veröffentlichte, aber auf gar keinen Fall wollten sie mir ihre Vornamen verraten. Ihre größte Sorge war, daß ein potentieller Arbeitgeber Informationen über sie finden könnte. Zwar hatten sie keine Ahnung, wie irgendjemand ihr Photo allein anhand der Vornamen finden sollte, und sie wußten auch nicht zu sagen, worin für sie der Nachteil liegen könnte, wenn man tatsächlich ein nettes Photo von ihnen fände, aber sie blieben dennoch dabei: Keine Namen. Ich bat sie, sich dann wenigstens welche auszudenken, und da nannten sie sich Sabina und Christina.

Leider hatten sie auch sonst die größten Bedenken, mir irgendetwas über sich zu verraten – ich erfuhr nur, daß sie beide im Finanzsektor beschäftigt sind und eine von ihnen (links im Bild) in Kürze nach Schweden ziehen würde, um dort ihren Master zu machen.

Auch wenn ich also kaum etwas über die Mädels erfuhr, war das Gespräch sehr angenehm und lustig. Vielen Dank, meine Damen!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen