Mittwoch, 19. Oktober 2011

Rachel (#14)



Freitag Morgen. Ich war auf der Suche nach Fremden für mein Projekt und sprach nacheinander drei Fremde an, doch alle drei lehnten ab. Eine davon war eine Müllmann-Frau, die einen großen Müllaster fuhr, aber auch sie wollte nichts von einem Photo wissen.

Ich war schon drauf und dran aufzugeben, als ich Rachel sah und sie schnell ansprach. Ihre erste Reaktion war – große Skepsis. Kaum hatte ich erklärt, was es mit meinem Projekt auf sich hatte, fragte sie, was passieren würde, wenn sie ablehne. „Dann mache ich natürlich kein Photo“, antwortete ich, „es würde also gar nichts passieren, außer daß ich enttäuscht wäre“.

Rachel entschied sich, abzulehnen.

Ich gab ihr meine Karte und sagte, sie könne ja mal auf der angegebenen Seite im Internet nachsehen, was herausgekommen wäre, wenn sie mitgemacht hätte. „Komm schon“, begann ich einen letzten Versuch, „es ist bloß ein Photo und dauert nicht einmal eine Minute.“

Rachel fragte mich, was ich denn arbeitete und warum ich nicht an meinem Arbeitsplatz sei. Ich erklärte ihr, daß ich flexible Arbeitszeiten hätte und mir dachte, es sei ein schöner Freitag Morgen, um nach einem Fremden für mein Projekt Ausschau zu halten.
„Aber,“ fragte Rachel weiter, „warum ich? Ich weiß, daß ich nicht hübsch aussehe.“ - „Natürlich siehst Du hübsch aus“, widersprach ich. „Ich denke einfach, daß Du gut zu meinem Projekt passen würdest, und außerdem hast Du ja noch nie gesehen, wie ich meine Portraits aufnehme.“ - „Was ist mit meinem Café,“ fragte Rachel schließlich und deutete auf den Pappbecher in ihrer Hand. „Dein Café ist gut“, sagte ich, „behalt ihn einfach in der Hand.“

Endlich war Rachel einverstanden.

Rachel kommt ursprünglich aus Malaysia, hat hier in Deutschland ihr Studium abgeschlossen und war gerade auf dem Weg zu einem Bewerbungsgespräch bei einem Ingenieurbüro.

Wenige Tage nach unserer Begegnung bekam ich eine eMail von Rachel, in der sie mir sagte, daß ihr das Photo gefalle und daß sie den Job bekommen habe. Was will man mehr!

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