Samstag, 15. Oktober 2011

John (#2)



Ziemlich bald nach meinem ersten Fremden photographierte ich den nächsten – allerdings war ich zu diesem Zeitpunkt in Eile und versäumte es, ihn auch um Erlaubnis für eine Veröffentlichung zu fragen. Immerhin hatte ich seine eMail Adresse, und so sandte ich ihm das Photo und fragte, ob er mit der Veröffentlichung einverstanden sei.

Er antwortete weder auf meine erste noch auf meine zweite eMail. So wurde es Zeit, mich nach einer neuen Nummer 2 umzusehen – doch dieses Mal dauerte es länger, bis ich jemanden fand. Fast einen vollen Monat nach meinem Fremden Nr. 1 war es schließlich soweit:

Es war ein schöner sonniger Tag, meine Frau und ich hatten ein ein wenig Zeit für uns allein, und so nahmen wir die U-Bahn zum Schloßplatz, holten uns einen Café und setzten uns auf eine Bank, auf der bereits eine Mutter mit ihrem Sohn saß. Die beiden zogen weiter; kaum eine Minute später kam ein Mann und setzte sich neben uns.

Mir war sofort klar, daß ich ihn für mein Projekt haben wollte.

Zunächst aber kamen zwei Bekannte von ihm zufällig vorbei und die drei unterhielten sich eine ganze Weile, während ich wartete. Als die beiden Bekannten weiter gingen, fragte ich meine Frau, ob sie warten wolle – sie entschied sich, durch die Stadt zu schlendern und mich später wieder zu treffen.

Als sie aufstand, wandte ich mich an den Mann neben mir und fragte, ob ich ein Photo von ihm machen könne. Klar, sagte John, solange Du es nicht ins Internet stellst. Genau das, erwiderte ich, hatte ich vor. Etwas perplex fragte John nach, und so erzählte ich ihm von meinem Projekt. Er fand die Idee auf Anhieb faszinierend und war einverstanden.

Ich machte ein paar schnelle Aufnahmen, danach ergab sich ein sehr interessantes und intensives Gespräch.

John ist 32 Jahre alt und Grafikdesigner, er hilft momentan einem Freund bei der Gründung eines kleinen Unternehmens. John befindet sich an einem wichtigen Punkt in seinem Leben - er ringt mit sich selbst, ob er sich hier ein Leben aufbauen soll oder doch seinem Drang nachgibt, die Welt zu bereisen.

Ich traf John danach noch einige Male. Mein kleines Projekt hatte mir einen Freund beschert.  

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