Mittwoch, 26. Oktober 2011

Haluk (#26)


Nachdem ich bei Joachim, meinem Fremden #25, doch mal wieder sehr nervös gewesen war, war ich ein paar Tage später die Ruhe selbst. Erst sprach ich zwei Damen an; die erste erzählte mir, sie habe mal Bilder von sich auf Webseiten gefunden, wo sie nicht hingehörten und lehnte darum ab. Die zweite blieb gar nicht erst stehen und murmelte im Vorübergehen bloß ein „das ist nicht möglich“.

Nach einer Weile hatte ich Zweifel, ob ich an diesem Tag noch jemanden finden würde, doch dann kam Haluk die Straße entlang und meine Laune besserte sich schlagartig. Ich hielt ihn an und wir sprachen über mein 100-Fremde-Projekt.

Haluk war der erste Fremde, der „aber warum ich“ fragte und aufrichtig an einer Antwort interessiert war. Aber da gab es nicht sonderlich viel zu erklären, ich suchte einfach Menschen, die ich photographisch irgendwie interessant fand – mehr ein Gefühl also. Während es anfangs noch vor allem auch darum ging, die eigenen Grenzen zu verschieben und Leute anzusprechen, bei denen mich das besonders viel Überwindung kostete, ging es später eher darum, einen – wenn auch höchst subjektiven – Querschnitt durch die Bevölkerung abzubilden.

Jedenfalls gefiel mir Haluks Stil, wie er da die Straße entlang ging, selbstbewußt und ruhig.

Haluk war bereit, mitzumachen, und ich machte meine üblichen zwei, drei Aufnahmen. Ich fragte ihn nach seinem Namen, von dem ich mich nicht erinnern konnte, ihn jemals gehört zu haben. Haluk erzählte mir, daß es nicht ganz eindeutig sei, was der Name in den verschiedenen Sprachen bedeute, daß er aber unter anderem einen der 99 Namen Allahs bezeichnen und Schöpfer bedeuten solle, ein für die Menchen verbotener Name. Er, Haluk, sei aber nicht sonderlich religiös und sage den Leuten darum immer, der Name bedeute „Schöpfer“, weil ihm diese Bedeutung gefalle.

Die Höflichkeit, mit der Haluk auftrat, war geradezu auffallend – ein sehr angenehmer Gesprächspartner.

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