Sonntag, 16. Oktober 2011

Catherine (#7)


Catherine saß an einem Springbrunnen. Sie fiel mir sofort auf, aber ich ging zunächst an ihr vorüber – hübsche junge Frauen nach einem Photo zu fragen war noch immer deutlich außerhalb meiner sogenannten Wohlfühl-Zone.

Ich ging zu einer Bank etwas weiter, überprüfte – ganz langsam! - meine Kamera und schraubte einen ND-Filter auf das Objektiv. Wenn sie danach noch immer da sitzt, sagte ich mir, dann frage ich sie.

Sie saß noch da, und fast wäre ich erneut vorbei gegangen. Als ich doch noch die Kurve bekam und sie nach einem Photo fragte, starrte sie mich mit ziemlich ausdruckslosem Gesicht an – was aber zum Glück nur daran lag, daß sie kein deutsch verstand.

Englisch funktionierte. Catherine wollte wissen, wofür das Photo sei, und ich erzählte von meinem Projekt. Daraufhin fragte sie mich nach einer Visitenkarte oder etwas ähnlichem – zum Glück hatte ich noch ein paar dieser praktischen kleinen Mini-MooCards, ich hatte sogar erst an diesem Morgen Nachschub bestellt.

Es ist ja schon bemerkenswert – jeder kann sich nach Belieben irgendwelche Karten drucken lassen, und dennoch scheinen sie als gewisse Legitimation zu funktionieren – sehr viele meiner Fremden haben erst eingewilligt, nachdem ich ihnen meine Karte gegeben hatte.

Viel habe ich nicht über Catherine erfahren: Sie ist aus Kanada und macht einen ganzen Monat lang Urlaub in Deutschland.

Catherine beantwortete meine Fragen höflich, schien aber nicht wirklich Wert auf eine längere Unterhaltung zu legen. Also drängte ich nicht weiter, sondern bedankte mich bei ihr und wünschte eine gute weitere Reise. Wie man sehen kann, habe ich ein wirklich strahlendes Lächeln bekommen – was mehr kann man sich wünschen!

Leider habe ich nie mehr etwas von Catherine gehört, so daß ich nicht weiß, ob sie auch noch so schön lachen konnte, als sie das Photo sah.

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