Sonntag, 30. Oktober 2011

Andi (#32)


Andi ist der Freund, mit dem sich mein vorhergehender Fremder (Ümit) unterhielt. Als ich Ümit ansprach, hatte ich zunächst nicht vor, auch Andi nach einem Photo zu fragen. Das war nichts ungewöhnliches - bis auf eine Ausnahme habe ich immer nur jeweils eine Person nach ihrem Photo gefragt, ganz gleich ob diese Person allein, zu zweit oder in einer Gruppe unterwegs war.

Während des Gesprächs mit Ümit fielen mir jedoch irgendwann Andis Finger auf. Da wußte ich, daß ich von diesen Tattoos natürlich unbedingt ein Photo machen wollte. Andi hatte damit ebensowenig Probleme wie Ümit, und so bat ich ihn, die Fäuste auszustrecken.

Natürlich fragte ich Andi, warum er sich ROCK STAR auf die Knöchel hatte tätowieren lassen. Seine Antwort war ganz simpel: „Weil es das ist, was ich bin.“

Da mußte ich natürlich nachfragen:

Andi ist ein Friseur, der sich aber „Haarschneider“ nennt. Er hat seinen eigenen Salon in Tübingen und hat an irgendeiner Casting-Show für Friseure teilgenommen. Seitdem ist er regelmäßig in Shows zu Gast, und wenn ich es recht verstanden habe, hatte er sogar eine Zeitlang seine eigene Show. Die Tattoos hat er sich während eines Urlaubs in Los Angeles stechen lassen.

Ich fragte Andi, wie seine Kundschaft im eher beschaulichen Tübingen damit umgehe; er meinte, das sei nie ein großes Thema gewesen.

Hier geht es zu Andis Website, auf der auch Videos aus seinen Shows verfügbar sind.

Andi war ein sehr interessanter Kerl. Sein extrovertiertes Auftreten stand im Gegensatz zu Ümits introvertiertem Verhalten. Zunächst wirkte Andi auf mich eher wie jemand, dem es vor allem um die Show geht – und seine Website spiegelt das wider. Je länger unsere Begegnung dauerte, desto mehr bekam ich jedoch den Eindruck, daß Andi tatsächlich nichts anderes als ein Künstler ist, der für seine Sache brennt.

Zwei Dinge habe ich leider versäumt: Erstens hätte ich auch noch ein „normales“ Portrait von Andi machen sollen, anstatt mich auf die ursprüngliche Idee mit den Fäusten zu beschränken. Zweitens hätte ich ihn fragen sollen, ob er mir die Haare schneidet: Er hat nämlich – vergleichbar mit meinem 100-Fremde-Projekt – wildfremde Leute gefragt, ob er ihnen die Haare schneiden darf, das kann er innerhalb von einer Minute oder so. Es wäre spannend gewesen zu sehen, was dabei herauskommt.

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