Samstag, 11. Juli 2009

Lernt man mit Festbrennweiten "richtig" photographieren?

Wer sich eine Spiegelreflex-Kamera zugelegt hat und sich intensiver damit auseinandersetzt, wird irgendwann an den Punkt gelangen, an dem ihm das meist dazuerworbene (einfach gehaltene) Kit-Objektiv nicht mehr ausreicht. Dann stellt sich die Frage, mit welchem Objektiv man seine Kamera erweitern möchte.

Wer es kompakt, einfach und günstig haben möchte, wird sich womöglich ein sogenanntes Superzoom-Objektiv zulegen, das vom Weitwinkel- bis zum Telebereich alles abdeckt (so etwa das Tamron 18-250 mm f/3-5-6.3 oder das Pendant von Sigma). Diese Lösung bietet alle Brennweitenbereiche und ist sehr günstig (rund 350 bzw. 500 EUR). Wegen der geringen Lichtstärke und der (nur vergleichsweise!) bescheidenen Bildqualität werden diese Zooms manchmal als "Suppenzooms" verspottet, für viele sind sie aber genau die richtige Lösung.

Wer sich dagegen ausgiebiger mit der Photographie beschäftigt oder höhere Ansprüche an seine Objektive stellen möchte, der wird an ein höherwertigeres Zoomobjektiv denken und dann sehr bald auch vor der Frage stehen, ob es womöglich gar eine Festbrennweite sein soll. Die ist alles andere als flexibel und unverhältnismäßig teuer, dafür jedoch lichtstark und sehr oft von überragender Bildqualität. Neben diesen technischen Überlegungen wird man sicher auch mit der Aussage konfrontiert, daß man erst mit Festbrennweiten "richtig" photographieren lerne. Das ist ein wenig pauschal ausgedrückt und auch nicht ganz richtig. Was aber steckt tatsächlich dahinter?

Ein Zoom ist bequem: Man sitzt bildlich gesprochen einfach auf seinem Hintern, zoomt so ungefähr ran wie es passen könnte, drückt ab und legt die Kamera anschließend wieder weg oder zieht weiter zum nächsten Motiv. Hinterher mag man sich dann manches Mal wundern, warum das Bild irgendwie langweilig und uninspiriert wirkt.

Approach

Es ist sofort für jeden ganz offensichtlich, daß es bei einer Festbrennweite nicht genügt, einfach dazusitzen und mit der Kamera auf das gewünschte Motiv draufzuhalten. Auch ein vollkommener Laie merkt, daß der Bildausschnitt, den man bei einer solchen Knipser-Art bekäme, höchstens mal zufällig sinnvoll ist. Also schaut man viel konzentrierter durch den Sucher - das ist der erste Schritt zu einer besseren Bildgestaltung.

Außerdem wird man mit einer Festbrennweite von vornherein dazu gezwungen, sich selbst zu bewegen - oft schon, um das Motiv überhaupt ganz auf das Bild zu bekommen. Diese Bewegung setzt Kreativität frei, weil man sich viel bewußter um einen guten Ausschnitt und eine gute Position bemüht. Die photographische Situation wird insgesamt viel aufmerksamer beobachtet. So ergeben sich ganz automatisch Ideen auch für spannendere, abwechslungsreichere Ansichten.

Die Verwendung einer Festbrennweite kann einem also schon nach kurzer Zeit ungeahnte Fortschritte in der Bildqualität bringen. Dennoch paßt es nur eingeschränkt, wenn es heißt, man "lerne" besser zu photographieren: Interessanterweise fällt man nämlich über kurz oder lang in das träge Verhaltensmuster zurück, sobald man statt der Festbrennweite wieder ein Zoom auf die Kamera schraubt. Sicher, bis zu einem gewissen Grade bleiben die geistige und körperliche Agilität, Flexibilität und Kreativität noch erhalten - diese nutzen sich aber weiter ab und man endet mehr oder weniger doch wieder auf seinem Hintern. Darum kann man meiner Meinung nur eingeschränkt von einem echten "Lerneffekt" sprechen - vielmehr zwingt einen die Festbrennweite ganz automatisch, bessere Bilder zu machen.

Den meisten macht übrigens die ganze Bewegung während der Aufnahmen und der ganze damit verbundene kreative Vorgang unheimlich viel Spaß - und das vermißt man recht bald, wenn man wieder auf ein Zoom umsteigt. Es kann sich dann eine gewisse Unzufriedenheit einstellen, ohne daß einem so recht bewußt wäre, was dafür eigentlich der Anlaß ist.

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