Ich bemühe
mich in meinem Projekt um eine gewisse Ausgeglichenheit, um einen -
sehr subjektiven und von anderen Aspekten stark überlagerten -
Querschnitt durch die Gesellschaft. Dabei wurde rasch deutlich, daß
ältere Frauen etwas unterrepräsentiert sind - wobei “ältere
Frauen“ in diesem Zusammenhang nur als Abgrenzung zu „ganz junge
Frauen“ zu verstehen ist.
Warum sind
ältere Frauen in meinem Projekt unterrepräsentiert? Gewichtigster
und zugleich simpelster Grund ist, daß ältere Frauen es in der
Regel ablehnen, bei meinem Projekt mitzumachen. Das hat zur Folge,
daß ich unbewusst bei dieser Gruppe auch am ehesten zögere, sie
anzusprechen. (Übrigens zeigt schon die nächste Fremde, die
hoffentlich in ein paar Tagen online geht, daß man das nicht
verallgemeinern darf.)
Mir fallen
daneben noch ein paar weitere mögliche Gründe ein, die unter
anderem mit gesellschaftlichen Vorstellungen zu tun haben. Und
schließlich mag es auch daran liegen, daß ältere Frauen einem Mann
Ende 30 generell mit gewissen Vorbehalten begegnen, - erst recht,
wenn er sie nach einem Photo fragt.
Vor kurzem
habe ich jedenfalls wieder über diese Sache sinniert und dann
beschlossen, das zumindest ein wenig zu korrigieren. Als ich wieder
etwas Zeit fand, um nach Fremden Ausschau zu halten, konzentrierte
ich mich also ganz bewußt auf ältere Frauen – und mußte am Ende
mit drei Ablehnungen erfolglos nach Hause zurückkehren.
Ein paar
Tage später machte ich mich erneut auf den Weg, natürlich wieder
mit dem Vorsatz, eine ältere Frau für mein Projekt zu gewinnen.
Das Photo
von Tini illustriert deutlich, daß ich damit erneut keinen Erfolg
hatte. Was war passiert? Ich schlenderte durch die Straßen
Stuttgarts, meinen Blick fest auf ältere Damen gerichtet, als mit
einem Male Tini an mir vorüberging. Praktisch im selben Moment hatte
ich auch schon meinen Vorsatz freudig über Bord geworfen, - ich
kehrte um und ging ihr nach. Doch bevor ich sie einholte, verschwand
sie in einem Schuhgeschäft.
Es war
nicht das erste Mal, daß ich wartend vor einem Laden herumlungerte.
Nach wenigen Minuten aber fiel mir ein, daß die Kombination von
„Frau“ und „Schuhe“ leicht bedeuten konnte, daß ich eine
gefühlte Ewigkeit draußen würde warten müssen.
Also
beschloß ich, neues taktisches Terrain zu betreten und ging hinein
in den Laden. Ich fand Tini und sprach sie sofort an.
Nein, sagte
Tini zu meiner Frage nach einem Photo. Ich begann, Tini von meinem
Projekt zu erzählen. Doch sie sagte erneut nein und fügte hinzu:
Ich sehe immer blöd aus auf Photos.
Ich
versuchte es mit ein wenig Angeberei: Du hast meine Photos noch nicht
gesehen...
Wie, fragte
Tini, hier im Schuhgeschäft? - Falls das für Dich ok ist,
antwortete ich, würde ich das Photo gerne draußen machen, da ist
auch das Licht besser.
Tini
willigte ein. Auf dem Weg nach draußen meinte sie noch, sie wolle
dann aber ganz genau wissen, wo das Bild hinkomme und drohte mir:
Wehe, es wird nicht gut! Ich glaube, das war nur halb im Spaß...
So, hier
also ist Tini.
Tini ist
Ingenieurin und arbeitet bei einer bekannten Firma in Esslingen. Auf
meine Feststellung, daß sie als Ingenieurin vermutlich etwas
heraussteche, antwortete sie lachend, das sei bloß optisch,
innerlich sei sie total spießig...
Unsere
Unterhaltung blieb kurz, ich spürte, daß Tini wieder los wollte –
und so ließ ich sie kurz nach dem Photo wieder in den Laden gehen.
Trotzdem
neugierig auf mehr über Tini? Dann am besten gleich ihren Blog
besuchen – sie hat dort noch am Tag unserer Begegnung über unsere
Begegnung berichtet: Hier klicken!
Vielen
Dank, Tini!